Krankenwagen rettet uns aus den Fluten

Diese Nacht fanden wir irgendwie keinen Schlaf. Jessy war zwischen 3 und 5 Uhr kaum am schlafen und ich wurde zwischendurch immer wieder wach. Mag vielleicht an der Klimaanlage gelegen haben, die sich anhoerte wie ein Traktor und wenn sie sich abschaltete, dann nur fuer 5 Minuten um danach wieder mit lautem Getoesse anzuspringen. Wir fanden keine Moeglichkeit diese gaenzlich abzuschalten.
Nun waren wir ja wach und es war kurz nach 8 Uhr und was fiel uns auf, die Klimaanlage war aus. Diese ist mit einer Schaltzeituhr versehen, ungluecklicherweise nutzten wir die Chance fuer eine weitere Stunde schlaf, obwohl wir doch so frueh los wollten. Also ging es erst um 9 Uhr aus den Federn.
Erster Stop nochmals am Check- Inn fuers Segelschiff zum Anprobieren der Wet Suits. Schliesslich wollen wir ja auch im offenen Meer schwimmen gehen und nicht unbedingt sehr engen Kontakt mit den Portogisischen Galleren pflegen und dagegen sollen diese Dinger ja sehr hilfreich sein.
Kurze Zeit spaeter waren wir mit voller Vorfreude auf dem Weg zum Info- Center. Wir wollten uns informieren, ob der Eugenella Nationalpark befahrbar ist oder noch unter Wasser steht. Ausserdem soll es dort schoene Wasserfaelle geben, bei denen man Schwimmen kann. Dies wollten wir ebenfalls unbedingt machen, leider war der Weg zu den Wasserfaellen nur ueber eine Schotterpiste moeglich, die nach starken Regenfaellen nicht befahrbar ist, daher wollten wir uns auch darueber im Info- Center informieren und sicherstellen, dass wir den Weg dorthin nicht umsonst machen. Die Nette Frau rief gleich in Mackay bei der Info an, die Frau an der anderen Seite sagte, sie wuerde sich informieren, dass wuerde einen Moment dauern. Kurze Zeit spaeter bekamen wir dann die Info, dass wieder alles in Ordnung ist und die Wege befahrbar sind. Na super dachten wir uns, gingen zurueck zum Auto und fuehren direkt los.
Mit den tollen Strassenkarten allerdings war das wieder so eine Sache. Wir wussten nicht genau, welche Abzweigung wir vom Highway 1 nehmen sollten und fuehren dann an der richtigen vorbei. Die Schilder haengen hier nicht 500m vor der Abfahrt (dass waere ja zu einfach), sondern es sind kleine Strassenschilder auf denen Informationen stehen, die gegenueber der Abfahrt haengen, also wirklich super gemacht 🙂
Nach einem schicken Wendemanoever auf dem Highway befanden wir uns dann auch auf der richtigen Strasse, dachten wir zumindest. Jessy sagte noch, die Strasse ist ja ganz gut. Bis wir ein paar Augenblicke an der ersten einspurigen Bruecke ankamen und dort sahen, wir mehrere Bauarbeiter und ein Bagger versuchten diese freizuraeumen. Nur sehr langsam konnten wir diese Bruecke ueberqueren.
An der naechsten Abzweigung war der Eugenella Park wieder ausgeschildert und wir folgten dem Hinweis. Ein paar Kilometer weiter fiel Jessy allerdings auf, dass die Strasse auf der wir uns befanden, garnicht in der Karte eingezeichnet war. Weder in der grossen noch in der kleinen Karte. Naja, was solls dachten wir uns und fuehren weiter und die Strasse wurde enger und enger  Ein wenig spaeter wurde aus der zweispurigen Strasse auf einmal eine einspurige Strasse, die hin und wider mal zwei Spuren hatte und sie schlaengelte sich auf einmal durch die Zuckerrohrfelder. Es ging ueber Huegel hin weg und eine Kurve folgte der naechsten. Somit konnte man natuerlich auch nicht sehen, ob da nun Verkehr anrauscht oder nicht. Die Strasse war uebrigens immer noch mit 100 freigegeben und wir hofften nur darauf, dass die Australierer nicht nach dem Motto fahren „Gestern kam da auch keiner“.
Nach diesem durcheinander waren wir 3km vor dem Carpark zu den Wasserfaellen entfernt. An dem Zubringer standen einige Haeuser, die bis vor kurzem unter Wasser gestanden haben muessen. So befanden sich jedenfalls Autos davor, bei denen alle Tueren auf waren und die Sitze ausgebaut daneben standen. Eine Frau trug nasse Sachen ins freie und man sah in den Haeusern, wie die meisten Sachen im Obergeschoss standen.
An den Bruecken konnte man ganz gut sehen, dass die Baeche immer noch viel zu viel Wasser tragen und welche Hoehe sie bis vor ein paar Tagen hatten.
Der Zubringer naeherte sich der Schotterstrasse und auf dieser stand, zur Seite geraeumt, ein Schild „Road Closed“. Wir dachten, dass haette man nur nicht weggeraeumt und fuhren weiter. Sahen kurze Zeit spaeter allerdings schon Autos auf der rechten Seite parken und ein paar Meter weiter ein ca. 15m breiten Fluss uber die Strasse fliessen. Baeche verwandeln sich in reissende Fluesse - Eugenella Nationalpark Gezwungenermassen stellten wir unserer Auto hier ebenfalls ab und setzten die Reise zu Fuss fort. Zunaechst war da dieses Baechlein, was nun der besagte Fluss ist, der durchquert werden musste. Ca. 15m breit und 50 – 60cm Tief und mit einer ordentlichen Stroemung. Jessy hatte ungluecklicherweise ihre Schuhe an und durfte diese erstmal ausziehen. Langsam tasteten wir uns zur anderen Seite hervor und mussten aufpassen, dass wir von der Stroemung nicht umgeworfen wurden. Auf der anderen Seite zog Jessy ihre Schuhe wieder an und hinter uns tauchte auf einmal ein Krankenwagen auf. Dieser fuhr hier durch und verschwand dann hinter der naechsten Kuppe wieder, sehr merkwuerdig dachten wir uns. Wir setzten den Weg fort, doch keine 50m weiter, stand schon wieder der naecheste Bach als Fluss auf der Strasse. Jessy durchquerte ihn wieder, waehrend ich noch einen Moment wartete. Da kam uns auch ein Jeep entgegen. Nachdem der Mann mit dem Jeep durch den Fluss gefahren war, stieg er aus und fragte mich, wo wir denn hinwollen. Nachdem ich ihn sagte zu den Wasserfaellen, antwortete er nur „Alle Wege sind gesperrt“. Ich unterhielt mich noch ein wenig mit ihm und wir sprachen ueber unseren Urlaub, na und man soll es nicht glauben, aber als wir ihm von unserer anstehenden Segeltour erzaehlten, sagte er, er wurde den Kapitaen kennen und wir sollen ihn gruessen.
Da Jessy und ich es aber noch nicht wahrhaben wollten, dass alle Tracks geschlossen haben sollen, gingen wir weiter. Wieder stand uns ein 15m breiter Fluss im Weg, mit einer noch heftigeren Stroemung. Mit aller Vorsicht durchquerten wir diesen reissenden Fluss und kamen heilfroh auf der anderen Seite an. Ein paar Meter weiter war ein Campingplatz mit einem Informationszentrum. Hier wollten wir erstmal ein paar Informationen einholen. Aber schon am Eingang sahen wir das Schild „Closed“. Ein Blick um die Ecke zeigte dann auch warum, der Platz war weggespuelt und das Informationszentrum ebenfalls. Wir gingen ein paar Meter weiter und wieder wies uns ein Ranger darauf hin, dass alle Wege geschlossen sind. Dies passierte uns danach noch einmal.
So langsam waren wir ueberzeugt und gingen zurueck.
Und da waren wir wieder an dem Campingplatz und sahen schon wieder den Fluss, der in der Zeit, in der wir umherirrten, noch ein wenig angestiegen ist. Etwas mulmig standen wir nun da und ueberlegten, ob wir da wieder rueber kommen und da nahte unsere Rettung von hinten. Der Krankenwagen kam zurueck. Wir wollten ihn vorbei fahren lassen und standen am Strassenrand (wenn man das hier noch so nennen kann). Er hielt neben uns an, machte das Fenster runter und sagte „Springt rein“. Etwas unglaubwuerdig schauten wir ihn an und er wiederholte seine Aufforderung. So oeffneten wir vorsichtig die Tuer und was sahen wir da, noch zwei Gestrandete Touristen im Krankenwagen sitzen. Tuer zu und los gings. Langsam und mit viel Muehe durchquerte der Fahrer den Fluss.   Unsere Rettung, der Krankenwagen - Eugenella NationalparkDer Krankenwagen setzte uns sicher wieder in der Naehe unserer Autos ab. Da wir so ueberrascht waren, kamen wir garnicht dazu zu fragen, weswegen er tatsaechlich hier war. Nachdem wir nun gesehen hatten, dass es keinen Weg zu den Wasserfaellen gab, machten wir uns auf dem Weg auf dem Berg zum eigentlichen National Park. Dorthin unterwegs kam uns ein Schwertranspoert mit einem Bagger entgegen, die wollten wohl gerade anfangen, den ueberfluteten Teil aufzuraeumen.
Die Strasse zu dem eigentlichen National Park fuehrte direkt auf die Spitze des Berges. Mehrere Schilder wiesen einen vor dem Anstieg darauf hin, dass der Weg nicht fuer grosse LKW`s und Gespanne befahrbar sei.
Allerdings waren wir doch beeindruckt, als wir die Strasse im Berg verschwinden sahen und am linken Strassenrand ein riesiges Schild auftauchte, Das nennen wir mal Anstieg  - Eugenella Nationalpark mit schwarzer Schrift auf rotem Grund, auf dem 12% Steigung stand. So fuehren wir doch sehr vorsichtig diesen Berg hinauf. Wir wussten ja nicht, welche Ueberraschung uns hier wieder erwartet.
Nach mehreren Kurven sah man auch schon kleine Wasserfaelle an den Raendern, die kurz vor der Strasse niederprasselten. Doch der Weg war frei und wir kamen gut dort oben an.
Hier oben gab es ein weiteres Informationszentrum, wir gleich hin und es war natuerlich geschlossen. Dienstags Ruhetag… Echt klasse.
Wir schnappten uns einen Flyer und machten einen kleinen Walk. Von den Schnabbeltieren, die man hier im Fluss sehen konnte, sah man natuerlich nichts, da dass Wasser nicht klar, sondern durch den vielen Regen, braun war. Wir sahen aber ein paar Schildkroeten und stellten fest, dass auch diese voll auf Weintrauben stehen. Also Nicole, dass scheint keine Ausnahme zu sein 🙂
Waehrend wir so im Wald unterwegs waren, hingen an einigen Strecken so nette Schilder wie „Danger – Track Closed“ usw.
So blieb uns nur der kleine Erkundungswalk. Am Parkplatz angekommen sahen wir noch ein Familienvan, in dem ein Paerrchen gerade beschaeftigt war und von uns wohl ueberrascht wurde, schande 🙂
Enttaeuscht von den Wasserfaellen, die ja nicht erreichbar waren und den Schnabbeltieren, die wir nicht sehen konnten, machten wir uns wieder auf dem Heimweg.
Nach einiger Zeit waren wir wieder auf dem einspurigen Stueck Strasse, welches sich durch die Zuckerrohrfelder schlaengelte. Etwas gelangweilt von der Fahrt schauten wir so nach vorn und da passierte es. Auf einmal kam uns ein roter Pickup mit Anhaenger entgegen. Wir befanden uns noch auf dem einspurigen Stueck Strasse und er auf dem zweispurigem Teil. Ich ging davon aus er wuerde warten und gab Gas, aber Pustekuchen. Der Typ rauschte voellig unbeeindruckt weiter und wich einfach zur Haelfte ins Feld aus und das wohl gemerkt mit Topspeed. Er schoss vielleicht ein paar Zentimeter an uns vorbei. Etwas versteinert schaffte ich noch den Blick in den Rueckspiegel und sah den Haenger hinter dem Fahrzeug nur tanzen, aber nicht fahren. Was fuer ein Erlebniss.
So kamen wir von einem Erlebnissreichen Tag wieder zurueck in Airlie Beach an. Ein Barbecue am Strand beendete den Tag und wir freuen uns auf unseren dreitaegigen Segelturn, der morgen beginnt. Wann ich das naechste mal was schreibe ist also noch ungewiss.

3 Gedanken zu “Krankenwagen rettet uns aus den Fluten

  1. Hi,
    also das mit der Überschwemmung hättet ihr auch in Deutschland haben können.
    Für euern Segeltörn wüsche ich euch viel Spaß.
    Aber ehrlich gesagt, finde ich das schon ein stares Stück. Ich hätte einmal segeln noch gut bei Jessi. Ich
    bin dafür, wirtauschen ganz spontan.

    Grüße
    Antje

    P.S: Mast und Schotbruch und immer eine Hand breit Wasser unterm Kiel.

  2. Ist ja schon krass so mit den Überschwämmungen, aber das ihr auch unbeding überall durch müsst, obwohl man euch sagt es seie gesperrt, ne, ne, ne 🙂 Aber für eueren Segeltörn wünsche ich euch auch viel spaß, und grüßt mir die Unterwasserwelt.. 🙂 Im letzten Eintrag ist noch ein neuer Eintrag von mir drinn. Dann bis bald….

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